UNSER POLENAUSTAUSCH

Seit 2003 besteht ein Projektaustausch zwischen dem III. Liceum „Adam Mickiewicz“ aus Tarnów / Kleinpolen und unserer Marienschule Opladen: Im Zweijahresrhythmus übernimmt eine Fachgruppe die Federführung über den Austausch. Schülerinnen und Schüler beider Schulen arbeiten dann gemeinsam an einem fachlichen Thema – jeweils eine Woche in Leverkusen und - im Jahr darauf - eine Woche in Tarnów. Während des Aufenthalts im Gastland wohnen die Schülerinnen und Schüler jeweils in den Familien ihrer Austauschpartner. Bildet die fachliche Arbeit auch einen charakteristischen und wichtigen Schwerpunkt, so ist auch der kulturelle Austausch von Bedeutung: Hierzu zählen gemeinsame Stadtbesichtigungen oder Führungen in Gedenkstätten etc., aber auch der intensive Kontakt in den Gastfamilien und der damit verbundene Intensive Einblick in das Leben im Gastland.

Über die Jahre hinweg sind einige intensive Freundschaften entstanden – auch spätere Studienaustausche resultierten daraus. Besonders intensiv sind häufig die Kontakte zwischen Schülerinnen und Schülern, die einen polnischen Hintergrund haben – selber in Polen geboren sind oder deren Eltern zumindest aus Polen stammen. Derer gibt es einige an der Marienschule.


„Wie alles begann“

Anmerkungen zur Schulpartnerschaft zwischen der Erzbischöflichen Marienschule und dem III. Liceum Adam Mickiewicz in Tarnów (von Susann Falter, Koordinatorin des Austauschs 2003 bis 2017)

Bereits seit 2002 gab es von Seiten der Marienschule aus Überlegungen zu einem Schüleraustausch mit einem polnischen Gymnasium. Das war aber gar nicht so einfach. Die rettende Idee kam dann dem Schülerinnenvater Herrn Spitz, der die Wirtschaftsförderung Leverkusen einschaltete, die 2003 zu einem Besuch nach Tarnów in „Kleinpolen“, nahe Krakau, aufbrach. Durch die tatkräftige Vermittlung der Prinzessin Irina von Sayn-Wittgenstein-Berleburg, die alle Entscheidungsträger in Tarnów kannte, kam tatsächlich ein Kontakt mit dem III. Liceum zustande. Gerade noch rechtzeitig, um als dritter Partner in unserem Comenius-Schulprojekt „L’Education Européenne“, zusammen mit dem Lycée Notre Dame, St. Jean aus Besancon und der Marienschule, eine wichtige Rolle zu spielen. Auf MSO-Seite waren es Herr Brückner und Frau Roche, die dieses erste Projekt von den Fachschaften Geschichte und Französisch aus konzipierten. Unterstützt wurden sie vom damaligen stellvertretenden Schulleiter Herrn Nielen und mir, zuständig für die Organisation des Projekts mithilfe der EU. Die Deutschlehrer Herr Scheuer und Herr Kulpa kurbelten auf polnischer Seite den Kontakt an, Frau Gawelowicz war zuständig für die umfangreichen Formulare und die Kooperation mit der Stadt Tarnów. Dieses Projekt, das zum Teil in Räumen der Universität zu Köln stattfand, wurde ein voller Erfolg und verlangte eine Fortsetzung. Polen war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Mitglied der EU und die polnische Schule benötigte zusätzliche finanzielle und logistische Hilfe unsererseits, um die Bereitschaft der Schülereltern zur Teilnahme an einem internationalen Austausch zu erreichen.

Es folgten dann diverse Austausch-Projekte, die in der Übersicht aufgelistet sind. Allerdings gelang es nur noch einmal, ein Projekt mit Besancon und Tarnów gemeinsam zu organisieren – das Theaterprojekt 2004 in Besancon zu den sieben Todsünden - , da die beiden zuständigen Damen der französischen Schule danach beide in den Ruhestand gingen und das Lycée bereits zwei weitere Austausch-Kontakte mit Deutschland pflegte.

Die weiteren Projektwochen wurden dann bilateral organisiert und vom Deutsch-polnischen Jugendwerk unterstützt. Ohne unkonventionelle und private Hilfe und das große Engagement aller Beteiligten wäre dieses nun schon mehr als 15 Jahre bestehende Erfolgsprojekt aber nicht möglich gewesen.


Das III. Lyceum in Tarnow - unsere Partnerschule

Unsere Partnerschule in Tarnów, das 3. algemeinbildende Lyzeum trägt den Namen von Adam Mickiewicz, dem großem polnischen Nationaldichter. Gegründet wurde die Schule 1849 als sog. Realschule. 1950 fand sie ihren Sitz dort, wo sie heute noch steht, in der Brodziński Str..

Die Schule haben viele berühmnte Polen besucht u.a. der heutige Stadtpräsident Roman Ciepiela.

Heute ist die Schule ein koedukatives Lyceum - verglichen mit dem deutschen Bildungssystem würden wir von einem Oberstufenkolleg sprechen. Die Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule, um die Studierfähigkeit zu erlangen.

Im Unterschied zu Deutschland gibt es in Polen mit dem Abitur keine allgemeine Hochschulreife. Welche Fächer studiert werden können, hängt von den in der Schule belegten Fächern ab.

Die Schulfächer sind in drei Hauptbereiche aufgeteilt : Naturwissenschafen, Mathematik und humanistischer Bereich. Die bevorzugt gelernte Fremdsprache ist Englisch, aber auch Deutsch, Spanisch, Russisch und Französisch werden belegt.

Im Schuljahr 2018/19 gibt es im Lyzeum 25 Abteilungen. Zukünftig kommen aufgrund der Schulreform in Polen 14 neue erste Klassen hinzu und es gibt 30 Abteilungen. In der Schule unterrichten 2019 insgesamt 69 LehrerInnen 834 Schüler.

Das III. Lyceum ist eine offene, freundliche Schule und freut sich darüber in Tarnów die meisten Olimpiapreisträger (z.B. Mathematik-, Chemie-, … -Olympiade) zu haben(117. Platz in aller Schulen in ganz Polen) .Die Fremdsprachen werden, je nach dem Sprachniveau, in Gruppen unterrichtet. Es werden viele AGs angeboten, zusätzlich einige Austauschprogramme - u.A. den Projektaustausch mit der Marienschule.


Vorbereitung: Besuch des PolenMobils

Bevor die Marienschüler Rückbesuch zum Liceum Adam Mickiewicza nach Tarnów/Kleinpolen aufbrechen, war in den Jahren 2017 und 2019 das PolenMobil zu Gast.

Mit dabei sind eine begehbare Landkarte von Deutschland und Polen, ein(e) Referent(in), ein(e) Sprachanimateur(in) und viel, viel Material zur Veranschaulichung. Über drei Stunden stehen Sprache, Kultur, Geschichte, Land und Leute im Mittelpunkt. Bei uns ist die Bandbreite häufig groß: Schülerinnen, die sehr gut polnisch sprechen und schon häufig im Land ihrer Eltern waren, andere, die die Sprache gut verstehen und auch einige, die die Sprache gar nicht sprechen. So sind auch die einzubringenden eigenen Erfahrungen, Vorurteile und Meinungen recht unterschiedlich. Doch der Vormittag ist etwas für alle: Ein paar sinnvolle und wichtige Vokabeln werden gelernt, Besonderheiten und regionale Spezialitäten erklärt, alles interaktiv und mit viel Bewegung. An vielen Stellen können die TeilnehmerInnen so Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ländern entdecken, die zunächst gar nicht so offensichtlich sind.

Herzlichen Dank an das Team des PolenMobils, einer Initiative des Deutschen Polenistituts und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit , gefördert u.A. vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) und der Sanddorf-Stiftung .







ÜBERSICHT ÜBER DIE BISHERIGEN AUSTAUSCHPROJEKTE

Jahr Fächer Thema
2003/2004 Geschichte, Französisch [^1] „L’Education Européenne“
2004 Sozialwissenschaften, Kunst „Fremde Nachbarn“ – Untersuchungen zum Deutschland- und Polen-Bild
2004 Deutsch, Literatur, Französisch [^1] Trinationales Theaterprojekt „Die sieben Todsünden“ in Besancon
2006/2007 Chemie „Wasser-und Boden-Untersuchungen“
2008/2009 Sport Sport-Projekt
2010/2011 Sozialwissenschaften Wirtschaft – „Ähnliche Chemie-Industrie-Struktur“
2012/2013 Literatur /szenisches Spiel Theater-Workshops: „Fremdheit und Begegnung“
2014/2015 Musik und Sport „Musik und Tanz verbinden über Grenzen hinweg“
2016/2017 Biologie „Evolution des Menschen im Wandel der Zeit“
2018/2019 Chemie „Makromoleküle - natürliche und synthetische Kunststoffe“
2020/2021

[^1]: Comenius-Schulprojekt, zusammen mit dem Lycée Notre Dame, St. Jean in Besancon





NACHHALTIGKEIT

Wie nachhaltig ist eigentlich ein Austausch? Was lernen die Schülerinnen und Schüler? Was behalten sie davon? Was nehmen sie mit für ihr Leben? Diese Fragen stellen nicht nur Unterstützer und Förderer , um eine optimale Nutzung ihrer finanziellen Zuschüsse sicher zu stellen.

Interkulturelles Lernen, das Kennenlernen des Nachbarlandes, seiner Menschen und bei einem Projektaustausch natürlich auch immer die Projektinhalte: all dies sind Dinge, die "haften bleiben".

Ein paar Austauschpartner treffen sich auch noch Jahre später, wohnen für ein paar Wochen oder gar Monate in der damaligen Gastfamilie für ein Praktikum oder Auslandssemester.

Ein besonderer "Nachhaltigkeitsbeleg" sind aber Joanna aus Tarnów und Philip aus Leverkusen: 2008 begegnet sind die beiden im Sportprojekt. Ob es reiner Zufall war, dass die beiden 2009 auf dem Gruppenfoto rechts unten schon nahe beieinander knieten? Auf jeden Fall scheinen die beiden Austauschwochen nachhaltige Spuren bei beiden hinterlassen zu haben. So sah man Philipp in den Folgejahren immer mal wieder in Tarnów, genauso wie Joanna im Großraum Leverkusen. 2015 heirateten die beiden und gehen fortan gemeinsam durchs Leben.







RÜCKBLICKE

2018/2019: Chemie - „Makromoleküle - natürliche und synthetische Kunststoffe“

September 2018: Besuch der polnischen Gruppe in Leverkusen

Nach den „Wasser-und Bodenuntersuchungen“ in den Jahren 2006/2007 fand dieses Mal das zweite chemische Projekt statt. Unter dem Oberbegriff „Makromolekulare Chemie“ haben wir im September 2018 in Leverkusen zum Thema Kunststoffe gearbeitet, chemische Experimente in den Bereichen Analyse und Synthese gemacht. Bei einem Besuch im Schülerlabor der Fa. Covestro wurden eigenen Trinkbecher designt und hergestellt. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Kunststoffrecycling. Aber lesen Sie selbst:


April 2019: Rückbesuch der deutschen Gruppe in Tarnów

Die zweite Projektwoche nun im 4.-11.4.2019 in Tarnów schloss hier nahtlos an: In den Laboren der Fachhochschule in Tarnów wurde an zwei Tagen vormittags synthetische Kunststoffe hergestellt und auf ihre physikochemischen Eigenschaften hin untersucht. Nachmittags wurde im Chemiefachrauch des III. Lyceums weiter geforscht – nun zu natürlichen Makromolekülen: gearbeitet wurde mit Stärke, Proteinen, etc..

Gearbeitet wurde jeweils in deutsch-polnischen Teams. Die chemische Formelsprache und die polnischen Sprachkenntnisse einer Reihe von deutschen Schülerinnen erleichterte die Zusammenarbeit – trotz teilweise fachlich anspruchsvoller Inhalte. Generell wurde Englisch gesprochen, bzw. ein polnischer Deutschlehrer stand die ganze Zeit über als Sprachmittler zur Verfügung.

Präsentiert wurden die Ergebnisse der Experimentiertage auf einer Abschlussfeier in der Schule vor den Gastfamilien, Freunden des Austausches, Kolleginnen und Kollegen des III. Liceums und einigen Interessierten mit Hilfe von Plakaten in polnischer und deutscher Sprache.

Am Wochenende standen Ausflüge nach Krakow, Auschwitz und ins Salzbergwerk auf dem Plan - natürlich mit den Gastfamilien zusammen. Für einige Schülerinnen und Schüler ging es auch dieses Jahr wieder nach Zakopane in die Berge.

Zwei deutsche und zwei polnische Schülerinnen waren zusammen mit ihren Lehrern bei "Radio Malopolski" zu Gast und füllten mit ihren Interviews eine ganze Sendung (die Sendung ist in polnischer Sprache)





2016/2017: Biologie - „Evolution des Menschen im Wandel der Zeit“

Berichte aus der Lokalpresse (Rheinische Post und Kirchenzeitung des Erzbistums Köln):





2014/2015: Musik und Sport - „Musik und Tanz verbinden über Grenzen hinweg“





2012/2013: Literatur /szenisches Spiel - Theater-Workshops: „Fremdheit und Begegnung“





2010/2011: Sozialwissenschaften - Wirtschaft – „Ähnliche Chemie-Industrie-Struktur“

Zum sechsten Male waren sie nun in Opladen, unsere Freunde aus Tarnow. Nach dem der letzte Austausch ein von Sport geprägtes Programm aufwies, standen dieses Mal die „deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen und ihre Veränderung durch den Beitritt Polens in die EU“ als Thema fest. Die Durchführung des Planspiels „Fishbanks" und mehrere Betriebsbesichtigungen standen auf dem Plan:

  • Becker Industrielacke GmbH in Dormagen; Schwerpunkt: Erkundung mit Hilfe des Fragebogens, danach Gespräch, u.a. zum Produktionsstandort in Tarnów, Polen als Markt, deutsch-polnische Beziehungen

  • Currenta GmbH & Co. OHG im „Chempark“ von Bayer und Lanxess in Dormagen, Leverkusen-Bürrig; Schwerpunkt: Umweltdialog

  • Krüger GmbH & Co KG in Bergisch Gladbach; Schwerpunkt: s.o. zunächst Erkundung anhand des Fragebogens, danach im Gespräch Nachfrage zum Produktionsstandort in Polen (Ostrow Mazowiecka), zum Status als weltweit operierendes Unternehmen mit hohen ökologischen und ethischen Standards etc..

Ein Empfang beim Oberbürgermeister mit anschließender Stadtrundfahrt, ein Besuch im polnischen Generalkonsulat für Wirtschaftsbeziehungen in Köln, im Landtag von NRW sowie im Wirtschaftsministerium NRW und auch ein Gespräch mit dem Europaabgeordneten Herbert Reul aus Leichlingen prägten darüber hinaus das Programm.
Dazu kamen die Gespräche und Unternehmungen in den Familien oder der gemeinsame Besuch des Bundesligaspiels von Bayer 04 gegen Eintracht Frankfurt und nicht zuletzt die Abschiedsfeier am Freitag, die diesen ersten Teil des Austauschprojektes zu einer runden Sache machten, so dass am frühen Sonntagmorgen der Abschied auf dem Bahnhof von Opladen nicht ohne die eine oder andere Träne ablief.





2008/2009: Sport-Projekt

2009: bewegte Tage in Tarnów





2006/2007: Chemie - „Wasser- und Bodenuntersuchungen“

2006: Besuch der polnischen Gruppe in Leverkusen








FÖRDERER UND UNTERSTÜTZER

Unser herzlicher Dank gilt dem Verein der Freunde und Förderer der Marienschule . Seit Beginn des Austausches hilft er uns durch seine teilweise sehr kurzfristige finanzielle Unterstützung. Durch die Fördervereingelder konnten eine Reihe von Programmpunkten in Leverkusen und Umgebung realisiert werden.

Seit 2006 unterstützt uns das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) finanziell in der Durchführung unserer Projekte. So kann der Großteil der Projektkosten über Zuschüsse des DPJWs abgedeckt werden, was die Eigenleistungen der Schule (Verein der Freunde und Förderer der Marienschule für Leverkusen und die Stadt Tarnów auf polnischer Seite) minimiert.

Schon immer konnten die polnischen Schülerinnen und Schüler eine Fahrtkostenunterstützung durch das DPJW beantragen. Seit 2017 steht dies nun auch den deutschen Gruppen offen. Wir sind auch über diese Unterstützung sehrt froh.

Im Jahre 2019 haben wir erstmals einen Fahrtkostenzuschuss durch die Sanddorf-Stiftung erhalten. Ein herzliches Dankeschön auch hierfür.









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