Oliver Welter versteht seine Zuhörer zu fesseln: Gleich zu Beginn seiner Lesung verspricht er eine Quizfrage, bei der ein Exemplar seines Kriminalromans zu gewinnen sei. So hören die ca. 50 Gäste gespannt zu, als Welter das 1. Kapitel seines Romans vorliest: Statt eines Fischs, eines Wallers, haben die beiden Wilderer eine weibliche Leiche am Angelhaken und ziehen sie zum Boot. Wer gut aufgepasst hat weiß: mit einem Gaffhaken. Schnell wechselt das Buch den Besitzer. Und gut aufpassen muss man, so schnell, wie Welter liest.

Die Kommissarin, die den Mordfall lösen muss, schildert er im folgenden Kapitel mit viel Sprachwitz und Gespür für die menschliche Psyche: Inka Luhmann lernen die Zuhörer beim Abholen eines neuen Familienautos als pragmatische, unkonventionelle Ehefrau und Mutter kennen, die den Familienhund „Böse“ für ihre Zwecke ausnutzt. Ihr Ehemann Henne, ebenfalls Polizist, jetzt Hausmann, findet das alles andere als lustig, ganz im Gegensatz zu den Zuhörern. Als gebürtige Dortmunderin hat Inka es im Sauerland als leitende Kommissarin nicht leicht. Wunderbar beschrieben die Mitarbeiter im Kommissariat, die Vertreter der Presse und die beiden homosexuellen Bewohner des Ortes. Die zweite Leiche erhöht den Druck auf die Neue - das gibt Welter den Zuhörern noch mit auf den Weg und: ein paar Einblicke in die Gedanken des Täters oder besser der Täterin. In Montagetechnik wird das, was „Sie“ macht und denkt, immer wieder eingeblendet.

Welters Ankündigung, er höre mit der Lesung auf, wenn die ersten eingenickt sind, kann er nicht einhalten: Es schläft keiner, dafür ist die Spannung zu groß. Aber er muss irgendwann aufhören, denn „sonst kauft ja keiner mehr das Buch“. Eine unberechtigte Sorge, wie sich am Büchertisch zeigt. Und zum Schluss lernt man noch etwas Geographisches: Das Ruhrgebiet müsste eigentlich „Negergebiet“ heißen, ist doch die Neger der wasserreichere der beiden Quellflüsse der Ruhr - die beiden Autoren kennen sich im Ruhrgebiet gut aus, auch wenn ihnen die eine oder andere Ungenauigkeit vorgeworfen wird. Aber ist es wirklich für einen spannenden Krimi wichtig, ob es im Sauerland kaum Kiefern, sondern Fichten gibt?

Dem Burscheider Autor, Vater eines Marienschülers, war die Freude anzumerken, die ihm und den Zuhörern die Lesung machte. Den 2. Fall von Frau Luhmann können wir ab Mai im 2. Krimi von Oliver Welter und Michael Gantenberg verfolgen. Sicher gibt es das Buch samt Hörbuch dann schnell zur Ausleihe in der Bücherei, und vielleicht rundet Herr Welter ja das Büchereiprojekt „Marienschule schreibt“ im nächsten Schuljahr mit seiner zweiten Lesung ab.

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